Zu jeder Zeit und nahezu überall sind Begegnungen mit der Vogelwelt möglich, und bei jeder Begegnung kann sich eine neue Tür öffnen zum Verständnis der Vögel, der Natur und von uns selbst; denn keinem anderen Lebewesen fühlen wir uns so eng verbunden wie den Vertretern der Vogelwelt, von Haustieren wie Hund und Katze oder Primaten abgesehen (Birkhead, 2012). Der Vogelwelt widmen sich weltweit viele Vogelfreunde und Ornithologen und dementsprechend sollte es der Vogelwelt sehr gut gehen. Es ist jedoch festzustellen, dass weltweit die Gesamtzahl der Vögel abnimmt, zum Teil wahrscheinlich ‚Menschen-verursacht‘1, in erschreckender Geschwindigkeit und in immer größerem Ausmaß. Wir wissen, dass eine Welt ohne Vögel nichts anderes hieße, „als sich das Grauen auszumalen, die totale Stille, das Ende der Welt“ (Schalansky, 2023). Umso wichtiger sind Begegnungen mit der Vogelwelt: Sie fesseln all unsere Sinne und jede Begegnung zeugt von der großen Nähe zwischen Vogel und Mensch 2. Dieser Beziehung werden zutreffend zahlreiche Verhaltensweisen und Attribute zugeschrieben, unter anderem:
1. sie faszinieren uns mit ihren Sinnesleistungen und ihrem Verhalten (Lorenz, 1978; Birkhead, 2012) z.B. bei Balz, Vogelflug (Rüppell, 1975) und Vogelzug, der Eroberung verschiedenster Lebensbereiche: Kälte- und Hitzezonen, Wasser, Eis, Gebirge sowie Tropen- und Polarregionen
2. sie berühren uns mit ihrer Hingabe bei der Aufzucht des Nachwuchses und versetzen uns in Erstaunen über das rasche Wachstum des Nachwuchses vom Nestling bis zum fertigen Vogel (Lovette and Fitzpatrick, 2016)
3. sie inspirieren uns mit der Farbenpracht und der Zweckdienlichkeit ihres Gefieders (Prum, 2017; Zeisler-Diehl et al., 2020) und sie verzaubern uns mit ihrem Gesang (Marler and Slabbekoorn, 2004; Herzog, 2010)
4. sie regen an zu detaillierten Beschreibungen (Bezzel, 2011; Riechelmann, 2014) und zu einer beachtenswerten Anzahl trefflicher Vogelgeschichten und Anekdoten (Gibson, 2021)
5. sie motivieren uns zu genauer Betrachtung durch Fotografie und insbesondere durch Skizzen, Zeichnungen und Malerei (Herzog, 2024 und diese Sammlung).
Diese Fähigkeiten der Vogelwelt wurden im Verlaufe der Menschheitsgeschichte zu Symbolen, z.B. für Frieden (Taube), Intelligenz (Rabenvögel) und Weisheit (Eulen, insbesondere Steinkauz) und machen die Vögel zu den vielseitigsten Metaphern.
Worin ist diese Verbundenheit zwischen Vogel und Mensch begründet?
I. Bedeutung der Konvergenzen zwischen Vogel und Mensch
Für die meisten von uns dürften die oben angeführten Beispiele bereits eine ausreichende Beschreibung und Erklärung der tiefen Verwurzelung der Beziehung zwischen Mensch und Vogel sein. Es gibt jedoch gewichtige biologische Gründe, die auf der Evolution von Vogel und Mensch beruhen und daher berücksichtigt werden sollten:
Die Evolution der Wirbeltiere zeigt, dass die letzten gemeinsamen Vorfahren von Vogel und Mensch (amniotische Landwirbeltiere) vor etwa 310 bis 330 Millionen Jahren lebten. Unabhängig voneinander haben sich danach Strukturen, Funktionen und Eigenschaften (Analogien) entwickelt, die trotz der großen Unterschiede zwischen Vogel und Mensch zu einer erstaunlichen Übereinstimmung physiologischer Fähigkeiten beider Wirbeltierklassen geführt haben. Diese Eigenschaften werden, sofern sie noch nicht bei den gemeinsamen Vorfahren vorhanden waren und demnach unabhängig voneinander erworben wurden, als Konvergenzen bezeichnet.
Beispiele derartiger Konvergenzen bei Vogel und Mensch sind:
1. Das 4-kammerige Herz: es ermöglicht die vollständige Trennung von O2-reichem und O2-armem Blut und damit Endothermie und gesteigerte Leitungsfähigkeit
2. Endothermie bedeutet die weitgehende Konstanthaltung der Körpertemperatur 37 °C beim Menschen und 40 °C beim Vogel
3. Zweibeinigkeit (habituelle Bipedie): Beispiele für Bipedie sind in der Tierwelt eine Minderheit: Mensch, Känguru, Emu, Straußenvögel, Hühnervögel. Fakultative Bipedie finden wir bei Reptilien, bestimmten Dinosauriern und bei Primaten: Schimpanse, Gorilla, Orang-Utan und Gibbon.
4. Vogelgesang und menschliche Sprache und Musik (Marler and Slabbekoorn, 2004; Herzog, 2013)
5. Intelligenz: Trotz unterschiedlicher Gehirn-Struktur und - Organisation haben die Gehirne von Vogel und Mensch die höchste Leistungsfähigkeit im Tierreich erreicht2 (Birkhead, 2012)
6. ästhetisches Empfinden
Das ästhetische Empfinden bedarf einiger Anmerkungen: Es gibt Abläufe in der Evolution, die Vogel und Mensch näherbringen und mindestens genauso schwer wiegen wie die zu Beginn genannten Empfindungen bei Vogelbegegnungen. Die Entdeckungen, die zur Theorie der Sexuellen Selektion führten, liegen bereits mehr als 150 Jahre zurück: On the whole, birds appear to be the most aesthetic of all animals, excepting of course man, and they have nearly the same taste for the beautiful as we have (Darwin, 1871). Diese Theorie Darwins zur Bedeutung der Schönheit der Vögel beruht auf der Beobachtung, dass sexuelle Selektion3, von einigen Ausnahmen abgesehen, von weiblichen Vögeln vorgenommen wird: der jeweils farbenprächtigste und mit besonderem Gesang, körperlichen Merkmalen (Gefieder) oder auffallenden Balzritualen und dadurch mit
der vermuteten körperlichen Gesundheit und Fitness ausgestattete männliche Vogel wird als Geschlechtspartner bevorzugt, so dass die damit auffälligsten männlichen Vögel die Gunst des Weibchens gewinnen: Mit Hilfe des ästhetischen Empfindens als Selektionsfaktor entstanden im Verlauf der Evolution die meist sichtbaren Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Vogel (sexueller Dimorphismus) und besonders befähigte, farbenprächtige und/oder gesangsfähige männliche Vögel. Es ist bemerkenswert, dass ausgerechnet deren Schönheit auch die meisten Menschen als besonders ästhetisch und anziehend empfinden.
Da offenbar die sexuelle Selektion auf den Kriterien der Schönheit beruht, wurde auch vorgeschlagen, den Ausdruck ‚sexual selection‘ durch ‚beauty selection‘ zu ersetzen. Der zur Fortpflanzung kommende männliche Vogel gewinnt also als Folge einer Funktion des ‚survival of the beautiful‘ (Rothenberg, 2013). Dafür wurde eine Fülle von Beispielen beschrieben und dokumentiert (Prum, 2017): Vogel und Mensch haben ein angeborenes Empfinden für Schönheit. Es scheint folgerichtig zu postulieren, dass Mensch und Vogel eine konvergente ‚Evolution des ästhetischen Empfindens‘ durchlaufen haben, die fortbesteht und wahrscheinlich weiterhin fortgeführt wird. Das ästhetische Empfinden ist offenbar ein evolutiv stark wirksamer Faktor.
Dokumente zur Bedeutung der Vogelwelt für den Menschen reichen bis in seine kulturelle Frühzeit. Dafür sprechen die vielen Hinweise in der ägyptischen und griechischen Antike sowie im frühen Christentum: Im alten Ägypten finden wir bis zu 4000 Jahre zurück liegende Vogelzeichnungen und Skulpturen, die die Nähe zur Natur
der Vogelwelt wiedergeben und ihre Schönheit preisen. Im antiken Ägypten verkörperten Vögel Götter, symbolisierten das Jenseits und waren deshalb von zentraler gesellschaftlicher Bedeutung4. Ähnlich in der griechischen Antike: Vögel boten Motive in Mythologie, Kunst und Literatur, zum Beispiel Aristophanes (450 bis 380 a.D.) mit seiner Komödie ‚Die Vögel‘. Bezüge zur Vogelwelt gibt es auch in der Bibel: Vögel werden an etwa 270 Stellen erwähnt, eine der bedeutendsten ist das Zitat aus der Bergpredigt: ‚Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen und ihr himmlischer Vater nährt sie doch‘ (Luther-Bibel Matthäus 6, 26). Von Beginn an spielen Vögel im christlichen Glauben eine Rolle. Das geht so weit, dass es für die Zugvögel zum Überstehen vieler Gefährdungen durch Fangnetze, Jäger, Unwetter oder architektonische Hindernisse (Glasverkleidung von Hochhäusern) einen berührenden und gut formulierten Reisesegen gibt (Schulze, 2025). Der Beginn dieser Beziehung Vogel - Mensch muss früh angesetzt werden: für die komplexe Entwicklung, beim Menschen einschließlich seiner aufrecht gehenden Vorfahren und für die Evolution seiner Beziehungen zur bereits seit der Erscheinung des Archaeopterix vor etwa 150 Millionen Jahren sich entwickelnden Vogelwelt kann die für Vogel und Mensch gemeinsame Zeit von etwa 6 Millionen Jahren angenommen werden.
Natürlich gibt es noch andere Eigenschaften und Fähigkeiten, die wir gemeinsam mit Vögeln, aber auch mit anderen Tieren teilen, dazu gehören der Spieltrieb und die Befähigung zum Spiel. Ausgelassen können sich Krähen der Freude hingeben, bei Schneefall die Schräge der Autoscheiben zu nutzen, um herunterzurutschen. Keas wie alle Papageien können offensichtlich Freude dabei empfinden, einen Abhang herunterzurollen. Der Spieltrieb gilt als Zeichen hoher Intelligenz, kann aber nicht als konvergente Entwicklung bei Vogel und Mensch gewertet werden. Auch andere Wirbeltiere einschließlich bestimmter Reptilien und sogar Mollusken (Octopus) haben einen ausgeprägten Spieltrieb.
II. Domestizierung von Vögeln
Zahlreiche Domestikationsversuche sind sehr erfolgreich verlaufen, Beispiele dafür sind unter anderem die Domestikation der Hausgans, der Hausente, des Truthahns und des Haushuhns. Allen liegen unterschiedliche Mechanismen der Domestikation und unterschiedliche historische Abläufe zugrunde. Hier soll das Prinzip am Beispiel des Haushuhns (vgl. Coulthard, 2025) diskutiert werden.
Neuere Forschungen haben ergeben, dass die Domestikation des Haushuhns in Südostasien (indischer Subkontinent) vor etwa 3.500 Jahren mit der Aufnahme des Bankiva-Huhnes (Gallus gallus) in die menschliche Obhut begann. Der intensive Anbau von Trockenreis hatte eine große Anziehungskraft für das wildlebende und normalerweise sehr scheue Bankivahuhn und die Domestikation erheblich begünstigt und beschleunigt. Die Hühner in menschlicher Obhut dienten zunächst nicht der Ernährung des Menschen, sondern eher kultischen Zwecken oder der Durchführung von Hahnenkämpfen. Erst später wurden die domestizierten Tiere zu Nahrungszwecken und zum täglichen Bedarf (Eier, Fleisch und Federn) gehalten. Mit dem Handel gelangte das Haushuhn nach China, Europa und mit Christoph Kolumbus nach Amerika. Wichtige Eigenschaften des heutigen Haushuhns wurden durch Zucht und Selektion geschaffen: aus dem schlanken Bankiva-Huhn wurde Gallus domesticus mit erheblich größerem Gewicht, geringem Bruttrieb, aber deutlich höherer Legeleistung: während das Bankiva-Huhn jährlich ein Gelege von 10 bis 12 Eiern schaffte, liegt die Legeleistung eines modernen Huhnes bei mehr als 300 Eiern im Jahr. Außerdem entstand durch Züchtung ein Huhn, das in kürzester Zeit Schlachtreife erlangt und in Massentierhaltung auf engstem Raum deutlich weniger Nahrung erfordert als in Freilandhaltung. Der Gewinn dieser Leistungen ging einher mit dem weitgehenden Verlust der Flugfähigkeit. Auf diese Weise war es möglich, in Deutschland etwa 700 Millionen, weltweit mehr als 120 Milliarden Hühner zu halten und zu schlachten, gleichzeitig (2022) wurden etwa 45 Millionen Legehennen und 1,2 Miliarden Eier in Deutschland „produziert“. Die meist zugrundeliegende Massentierhaltung hat erheblich nachteilige Konsequenzen hinsichtlich der Anfälligkeit gegenüber Infektionskrankheiten. Es ergaben sich daraus ethische Notwendigkeiten, so dass bereits 1973 Bernhard Grzimek, Konrad Lorenz, Hort Stern und andere von einer „Kulturschande“ sprachen: „wer zum ersten Mal im Leben diese Tiermaschinerie sieht, der möchte nach der Polizei rufen“. Dies alles angesichts der Erfahrung von vielen Menschen, dass Hühner friedfertige, intelligente, soziale und wunderschöne Tiere sind. Sie zeigen außerdem ein Verhalten, das in vollem Einklang steht mit dem eingangs zitierten Satz von Charles Darwin (1871), nach dem Vögel denselben Sinn für Schönheit haben wie wir Menschen: An der Stockholm University wurden Haushühner so trainiert, dass sie menschliche Gesichter erkennen. Es zeigte sich, dass Hühner symmetrische, auch für den Menschen attraktivere Gesichter bevorzugen (Ghirlanda et al., 2002).
Natürlich liegen den großen Veränderungen in der Physiologie der Haushühner gegenüber dem wilden Bankiva-Huhn zahlreiche Mutationen seines Genoms zugrunde, die zusammen mit anderen Fragen der Massen-Haltung von Hühnern und wegen der wirtschaftlichen Bedeutung in einer eigenen Forschungsrichtung resultierten, der „Poultry Schience“.
III. Molekulargenetischer Hintergrund der Beziehung zwischen Vogel und Mensch
In der Vogelwelt kennen wir Arten, die menschliche Besiedlung vermeiden und ungestörte Lebensräume benötigen (Kulturflüchter) und Kulturfolger5, unter den denen der Haussperling (Passer domesticus) die bekannteste und zurzeit am besten studierte Vogelspezies ist. Seine weltweite Verbreitung ist das Ergebnis seiner kommensalen Beziehung zum Menschen. Wie konnte es dazu kommen? Eine molekuklargenetische Antwort finden wir in der Kulturgeschichte von Mensch und Sperling.
In der freien Natur nimmt der Haussperling bevorzugt Nahrung in Form von Sämereien (Vogelmiere, Hirtentäschelkraut, Löwenzahn, Gänseblümchen und viele andere) auf, die nur über wenig Stärke-haltige Anteile verfügen. Diese sind aber sehr bekömmlich, weil die Samenkörner klein sind und leicht bewältigt werden und weil sie über keine schwer verdaulichen Anteile verfügen. Als Menschen im Anschluss an die letzte große Eiszeit, zur Zeit der Neolithischen Revolution (vor etwa 12.000 bis 10.000 Jahren), begannen, sesshaft zu werden, Getreide zu züchten und anzubauen und Bier zu brauen (‚Bier- vor Brot-Hypothese‘), kam es nicht nur zu einem starken Anstieg der Bevölkerung, sondern auch zu Reaktionen in der Tierwelt: Unter anderem nahmen Haussperlinge die angenehmen Vorteile energiereicher Samenkörner wahr. Allerdings hatten diese Samenkörner Eigenschaften, die es zu überwinden galt: Die Getreidekörner waren hart und schwer zu knacken und sie enthielten bedeutende Mengen an Stärke, die für Haussperlinge zunächst unverdaubar war: Es fehlten Ihnen Amylasen, Stärke-abbauende Enzyme, und ein starker Schnabel, der die harten Getreidekörner mechanisch hätte zerkleinern können. Im Jahre 2012 haben erstmals Wissenschaftler der Universität in Oslo (Saetre et al, 2012) die Gene für Amylase (AMY2A) und für starken Schnabelbau (COL11A) beim Haussperling dargestellt und gleichzeitig gezeigt, dass diese Gene in einer nicht-kommensalen Haussperling-Subspezies (Passer domesticus bactrianus) fehlen (Saetre et al, 2012: diese Sperlinge leben in abgelegenen Regionen in Zentralasien, sind Kulturflüchter, haben offenbar die Neolithische Revolution ohne die Notwendigkeit einer entsprechenden Genmutation AMY2A und COL11A überstanden und sie haben einen deutlich kürzeren Schnabel als unser Haus-Sperling. P. d. bactrianus ist offenbar näher in der Urform des Sperlings als unser Haussperling geblieben.
Der Vergleich zwischen beiden Sperlingsarten zeigt, dass zwei Gene entscheiden können über das Verhältnis zwischen Vogel und Mensch. Jede Vogelart, die sich dem Menschen anschließt, hat wahrscheinlich ihren eigenen molekulargenetischen Hintergrund. Diese zu erforschen, ist eine der großen Herausforderungen zum Thema Vogel und Mensch.
FAZIT
Wie ist die beträchtliche Wechselbeziehung und ihre Entstehung zwischen Vogel und Mensch zu erklären? Die Evolution der Wirbeltiere zeigt, dass die letzten gemeinsamen Vorfahren von Vogel und Säugetieren einschließlich des Menschen vor etwa 310 bis 330 Millionen Jahren lebten. Unabhängig voneinander haben sich danach Konvergenzen zwischen beiden Tierklassen entwickelt, die bei Vogel und Mensch eine erstaunliche funktionelle und strukturelle Übereinstimmung ergeben. Diese konvergente Evolution, insbesondere das gemeinsame ästhetische Empfinden und die eingangs aufgeführten Attribute der Vogelwelt, könnten Ursachen für das gegenseitige Verständnis von Vogel und Mensch sein. Außerdem spielen Domestikation von Vögeln und der molekulargenetische Hintergrund der Beziehung zwischen Vogel und Mensch eine entscheidende Rolle.
Fußnoten
1Einige Beispiele für die wahrscheinlich Menschen-verursachte Abnahme der Gesamtzahl der Vögel und des Aussterbens einiger Arten: Zerstörung des Lebensraumes; Vogelgrippe; Bejagung; Katzen; Windkraftanlagen; Insektenmangel und andere Ursachen (Müller, 2018; Bezzel, 2019).
2Rob Swindell hebt in seiner Kolumne „Birds are really a lot like us – only smarter“ergänzend hervor, dass „Birds rarely cause harm“ and „They have no need to visit the moon and they do not wage large scale war against their kind“ (‚The Chronicle-Telegram‘ (USA) vom 27.11.2024).
3Im Gegensatz zur natürlichen Selektion (Darwin 1859), die Darwin für alle Zeit berühmt machte und zu fast augenblicklicher Akzeptanz in der Wissenschaft führte, wurde sein Buch über die sexuelle Selektion (Darwin 1871) zunächst skeptisch betrachtet und in der Wissenschaft lange verschwiegen. Erst in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, etwa einhundert Jahre nach seiner Veröffentlichung, wurde das Buch in der Biologie akzeptiert. Heute ist das Konzept der sexuellen Selektion ein unverzichtbarer Teil der Evolutionsbiologie.
4Die im antiken Ägypten geschaffenen Gottheiten wurden als Vogelmenschen dargestellt, als Mischwesen bestehend aus einem Vogelkopf auf einem menschlichen Körper, z.B. die Götter Horus (Kopf eines Wanderfalken), Thot (Kopf eines Ibis), Benu (Kopf eines Purpurreihers) oder Ach (Kopf eines Schopf-Ibis oder Waldrapp)
5Typische Kulturflüchter (‚Hemerophobe‘ Vögel) sind Auerhuhn, Haselhhn, Schwarzstorch. Typische Kulturfolger (‚Hemerophile‘) sind Felsentaube, Amsel, Haussperling
Literatur
Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard, Fiedler, Wolfgang: Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. - AULA-Verlag GmbH, 2011
Birkhead, Tim: Bird Sense. What it’s like to be a bird. Bloomsbury Publishing, London, 2012
Coulthard, Sally: Am Anfang war das Huhn. Geschichte eines Charaktertieres: Haustier Huhn. - Haupt-Verlag AG, Bern, 2025
Darwin, Charles: On the origin of species by means of natural selection. John Murray, London 1859
Darwin, Charles: Descent of man and selection in relation to sex. John Murray, London 1871
Gibson, Graeme: The Bedside book of birds. - Doubleday, New York
Ghirlanda, Stefano, Jansson, Liselotte and Enquist, Magnus: Chickens prefer beautiful humans. – Hum. Nat. 13, 383-389,2002
Herzog, Volker: Vogelgesang, Musik und Sprache. Streifzüge durch eine besondere Wechselbeziehung zwischen Mensch und Vogel. Scheidewege 43, 24-44, 2013
Herzog, Volker 2024 und 2025: Ausstellungen und Vorträge zum Thema: 1. Unerwartete Begegnungen mit der Vogelwelt. Ausstellung im Uni-Club Bonn vom 20. März bis 8. Mai 2024. - 2. Vogelbegegnungen. Ausstellung im Haus der Natur vom 9. Oktober 2024 bis 5. Januar 2025
Kröher, Oskar und Friedhelm Weick: Anmut im Federkleid.- Gollenstein-Verlag, 2004
Lorenz, Konrad: Vergleichende Verhaltensforschung: Grundlagen der Ethologie. Wien, New York: Springer 1978
Lovette Irbi J. and Fitzpatrick, John W.: Handbook of bird biology. The Cornell Lab of Ornithology, Wiley – Blackwell, 2016
Marler, Peter and Slabbekoorn, Hans: Nature’s Music. The science of birdsong. Elsevier Academic Press, Boston, 2004
Müller. Monika C.M (Hrsg.): Viele Vögel sind schon weg. Vogelsterben und Biodiversität: Ursachen und Gegenmaßnahmen. Loccumer Protokolle 63/2017, Rehburg-Loccum, 2018
Prum, Richard O.: The evolution of beauty: How Darwins forgotten theory of mate and choice shapes the animal world - and us. Doubleday, New York, 2017
Riechelmann, Cord: Krähen. Ein Portrait. 5. Auflage. Naturkunden, Matthes und Seitz, Berlin, 2014
Rothenberg, David: Warum Vögel singen. Eine musikalische Spurensuche.- Spektrum. Springer Verlag- Heidelberg 2007
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Schulze, Petra: Reisesegen für Vögel.- Ev. Rundfunkreferat NRW, 2025
Saetre, Glenn-Peter, Riyahi, S., Aliabadian, M., Hermansen, S., Hogner,S., Olsson, U., Gonzales Rojas, S.A., Saether, C.N., and Elgvin, T.G.: Single origin of human commensalism in the house sparrow. – J. Evolutionary Biol. 25, 788-796, 2012
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Curriculun Vitae - Volker Herzog
Beruflicher Werdegang:
Abitur 1959 (Söderblom-Gymnasium Espelkamp), Bundeswehr 1960, Medizin- und Biologie-Studium, Med. Staatsexamen und Promotion 1967 (Universität Marburg), Habilitation 1975 (Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München). 1972 bis 1977 Forschungsaufenthalte 1. Harvard University (Medical School), 2. Yale University. 1980 Professor für Zellbiologie an der LMU München. 1989 bis 2005 Lehrstuhl und Direktor, Institut für Zellbiologie, Universität Bonn. Mitbegründer einer DFG-Forschergruppe ‚Keratinocyten: Proliferation und differenzierte Leistung in der Epidermis‘ (Sprecher), mehrerer Sonderforschungsbereiche, eines DFG-Schwerpunktes ‚Morbus Alzheimer: zellbiologische Grundlagen der Erkrankung‘, Sprecher gemeinsam mit Prof. Dr. C. Haass, LMU München, und des „Bonner Forum Biomedizin“ (Sprecher). Mehr als 150 Originalpublikationen sowie Buchbeiträge zu zellbiologischen Themen, Essays zu medizin- und bioethischen Fragen.
Vogelmalerei:
Seit früher Kindheit, zunächst unter Anleitung, Skizzen unter anderem von Pflanzen und Vögeln. Während des Medizin- und Bologie-Studiums: Anatomisches Zeichnen bei Prof. Gerd Petry, Universität Marburg. Intensivierung der ornithologischen Erfahrungen in Exkursionen mit Prof. Dr. Walther Wüst (München), der Ornithologischen Gesellschaft Bayern und durch Mitarbeit bei Prof. Dr. Bernhard Grzimek (Zoologischer Garten in Frankfurt). Nach der Emeritierung Ausarbeitung der Skizzen von Erlebnissen mit der Vogelwelt in Deutschland und im Ausland (Europa, Nordamerika und Australien). Einzel-Ausstellungen: 1. Im Uni-Club Bonn: „Unerwartete Begegnungen mit der Vogelwelt“, Zeichnungen, Aquarelle und Texte. 20. März bis 30. April 2024. - 2. Im ‚Haus der Natur‘, Bonn: „Vogelbegegnungen“, Zeichnungen, Aquarelle und Texte zur besonderen Beziehung zwischen Vogel und Mensch. 9. Oktober 2024 bis 5. Januar 2025.
Vogelbegegnungen - Zeichnungen
Danksagungen
Meinen Nachfolgern im Amt als Direktor des Instituts für Zellbiologie, Herrn Prof. Dr. Dieter O. F. Fürst (bis 2025) und Frau Prof. Dr. Maja Köhn (seit 2025) danke ich für die Möglichkeit zur Erstellung meiner Online Sammlung auf der Homepage des Instituts für Zellbiologie. Darüber hinaus danke ich Herrn Fürst für fachkundige Beratung zur Anfertigung hochauflösender Fotographien und für die Fotos einiger Bilder zur Sammlung. Ich danke Herrn Privatdozent Dr. Gregor Kirfel (Institut für Zellbiologie), der freundlicherweise die redaktionelle Arbeit übernommen hat, für kritische Anmerkungen zum Text der Einführung und zu den Fotografien meiner Bilder. Mein besonderer Dank gilt Herrn Dr. Florian Kirfel (Physikalisches Institut) für die technische Verwirklichung meiner Online Sammlung. Schließlich danke ich Wikipedia und xeno canto für die Verfügbarkeit einiger Vogelstimmen und Videos.