DER ‚KIWI DER NÖRDLICHEN HEMISPHÄRE‘:
Waldschnepfe (Scolopax rusticola)
Die Waldschnepfe wurde von naturliebenden Menschen als sicheres Zeichen des Frühlings erwartet. Sie kommt an Okuli (‚Okuli da kommen sie‘, etwa am dritten Sonntag der Passionszeit, also im März bis April) aus ihrem westeuropäischen Überwinterungsgebiet zurück. Im Alter von 10 Jahren, entdeckte ich in einem Waldgebiet in Ostwestfalen am Fuße einer Birke durch Zufall das Nest einer Waldschnepfe mit 4 Eiern. Eines Tages war ein Küken geschlüpft, kurz darauf folgten die anderen. Dadurch motiviert konnte ich öfters Waldschnepfen beobachten, zum Beispiel bei Dämmerung am Hang des nahe gelegenen Wiehengebirges. Während ihres Balzfluges, meist bei Sonnenuntergang (siehe Abb.: Tusche auf Fotokarton) folgt das Männchen rufend dem Weibchen (‚Quorren und Puitzen‘). Später ergaben sich Beobachtungen mit der etwas kleineren amerikanischen Waldschnepfe (‚Woodcock‘, Scolopax minor), z.B. auf der Halbinsel Cape Cod. Aufschluss über die sensorischen Fähigkeiten ergibt die Nahrungsaufnahme: Die Waldschnepfe sucht mit ihrem Schnabel im Boden erfolgreich Insekten oder Regenwürmer.
SENSORISCHE FÄHIGKEITEN VON WALDSCHNEPFE UND KIWI
Sie ist wegen der Fähigkeit, Würmer im Boden durch Tast- und Geruchssinn wahrzunehmen, oft mit dem Kiwi in Neuseeland verglichen worden (‚Kiwi der nördlichen Hemisphäre‘), der durch die neuronale Ausstattung an der Schnabelspitze die Fähigkeit hat, Regenwürmer zu finden: er nimmt sie olfaktorisch wahr, entsprechend ausgeprägt ist sein Riechhirn. Ähnliches sehen wir auch bei Waldschnepfe und auch bei Wiedehopf, obwohl deren Öffnungen für die Geruchswahrnehmung dicht am Schnabelansatz liegt, während beim Kiwi die entsprechenden Nasenöffnungen direkt an der Schnabelspitze positioniert sind.