DER GLÜCKSBRINGER UND FRÜHLINGSBOTE: Mehlschwalbe (Delichon urbica) - eine Schwalbe mit reinweißem Bürzel und Bauch (‚im Mehl gesessen‘)
Die Mehlschwalbe ist ein kleiner Zugvogel, der aus seinem großen Verbreitungsgebiet in Europa Wattenmeer haben wir mit Freude verfolgt, wie sie mit ihrem kleinen Schnabel Schlammkügelchen zum Nestbau ausgraben.nach Afrika südlich der Sahara fliegt. Sie ist sehr ortstreu und findet ihren Weg stets zum selben Brutplatz zurück. Trotz dieser Orientierungsfähigkeit treten Mehlschwalben nicht selten als Irrgäste über der nördlichen Hemisphäre bis nach Alaska auf. Die leuchtend mehlweiße Farbe der Unterseite und des Bürzels kontrastiert zum dorsalen Blauschwarz der erwachsenen Tiere. Auch die kurzen Beine sind weiß befiedert. Im Gegensatz zum reißenden Flug der Rauchschwalbe ist der Flug der Mehlschwalbe eher flatternd und gleitend. Mehlschwalben gelten als Glücksbringer für das Haus, in dem man sie brüten lässt. Sie brüten in zum Teil großen Kolonien (zum Beispiel etwa 500 Paare in Gysenstein/Schweiz), bauen und ziehen ihren Nachwuchs auf in kugelförmigen Nestern aus Lehm. Zum Bau der Nester benötigen sie feuchten Lehm oder Schlamm, z.B. im Wattenmeer, aus dessen Boden sie bei Ebbe mit dem Schnabel kleine Schlamm-Kügelchen ausgraben und zum entstehenden Nest tragen. Jedes Nest besteht aus mehreren tausend solcher Kügelchen. Ein besonders interessantes Vorkommen der Mehlschwalbe finden wir in Bayern am Eibsee; es dokumentiert ihre erstaunliche Kälteresistenz: in über 970 m Höhe kann es nachts am Eibsee im September und Oktober bereits beträchtlich kalt werden. Sobald jedoch die Temperaturen auch tagsüber unter Null Grad sinken, sind sie wegen des dann eintretenden Insektenmangels gefährdet. Die höchstgelegenen Mehlschwalben-Kolonien fanden wir am Großglockner, wo sie ihre Nester an Felswänden bauen.