EIN KLEINER, FARBENFROHER WINTERGAST AUS DEM HOHEN NORDEN kOMMT IN GROßEN SCHWÄRMEN ZU UNS: Bergfink (Fringilla montifringilla)
Der Bergfink ist ein nordischer Singvogel, der nur über die kalten Monate (Oktober bis Ende März) zu uns kommt. Sein Verbreitungsgebiet, das sich dem des Buchfinken nordwärts anschließt, erstreckt sich über die borealen Zonen Skandinavien und Osteuropas, über Sibirien bis nach Kamtschatka. Er ist dem Buchfink verwandt und in der Überlappungszone beider Verbreitungsgebiete kommt es zu Hybridbildungen mit dem Buchfink. In guten Buchecker-Jahren werden oft riesige Schwärme beobachtet (‚Buchenmast‘). Ein solches Jahr war 1967, und Ende Februar bis Ende März 1968 konnten riesige Schwärme entdeckt werden. In einem Buchenwald in der Region Bad Mergentheim traf ich auf einen dieser Schwärme. Die Bergfinken ‚fielen vom Himmel‘ und machten sich hungrig und ohne Scheu dicht nebeneinander (etwa 15 bis 20 auf einen Quadratmeter) und zum Teil direkt neben mir über Bucheckern am Boden her. Geschickt wendeten sie dazu mit Ihrem Schnabel jedes Blatt und aßen nicht nur Bucheckern, sondern nahmen auch Insekten, Würmer und kleine Schnecken auf. Der Wald war erfüllt von den kurzen, relativ leise vorgetragenen Kontaktrufen (‚käig‘ und häufig kürzer ‚kig‘). Es war in dem hügeligen Waldgelände unmöglich, den Schwarm in voller Größe zahlenmäßig zu erfassen. Außerhalb des Waldes, auf einem Schlafbaum in der Nähe, gelang es auch nur näherungsweise. Schätzungen (Wahrscheinlich desselben Schwarmes ) zeigten, dass er aus etwa 2 Millionen Bergfinken bestand. Die abendliche Besiedlung dieses Schlafplatzes und die Geräuschkulissen der nun laut vorgetragenen Kontaktrufe war ein beeindruckendes Naturschauspiel. Bruten in Deutschland sind trotz der großen Bergfink-Schwärme ein sehr seltenes Ereignis.